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Diese sehr alte chinesische Heilmethode erfährt in Europa und anderen westlichen Ländern seit rund 30 Jahren eine zunehmende Verbreitung.
Die Akupunktur wurde bereits 2000 vor Chr. in China angewandt. Vermutlich gehen die Ursprünge aber sogar bis 4000 vor Chr. zurück. Aus dieser Zeit datieren archäologische Funde aus zugespitzten Knochen, Bronzenadeln, die zur "Nadelung" verwendet wurden.
Der Begriff Akupunktur setzt sich aus den Wörtern acus (=Nadel) und pungere (=stechen) zusammen und bedeutet soviel wie „Therapie mit Nadeln“. Die Akupunktur ist genau genommen nur eine der Säulen der sog. Traditionellen Chinesischen Medizin oder auch TCM genannt. Die TCM umfasst im wesentlichen folgende Behandlungsverfahren:
Die Akupunktur unterteilt sich in verschiedene Systeme, von denen die klassische Körperakupunktur wohl die bekannteste ist.
Daneben existieren allein oder parallel angewendet die Akupunktur der Mikrosysteme: Ohrakupunktur; Schädelakupunktur; Handakupunktur; Mundakupunktur
Wie wirkt nun die Akupunktur? Die Wirkungsweise wird schulmedizinisch und traditionell chinesisch völlig unterschiedlich erklärt.
Die Schulmedizin deutet den Nadelstich an der Haut als eine über Nervenfasern weitergeleitete Schmerzmitteilung an das Rückenmark und Gehirn. Jedoch wird der Schmerz dabei erfolgreich gehemmt: a) auf Rückenmarksebene. Dort findet eine Blockade der Reizweiterleitung der betroffenen Körperregion zum Gehirn statt. b) die Weiterleitung des Schmerzes direkt zum Gehirn wird blockiert.
Zusätzlich sorgt die Nadel für die Freisetzung körpereigener "Schmerzmittel" aus einem bestimmten Hirnareal. Dort werden morphinähnliche Substanzen, „Endorphine“ genannt, freigesetzt. Diese hormonähnlichen Stoffe haben psychisch ausgleichende Wirkungen.
Die Betrachtungsweise der TCM geht von einem völlig unterschiedlichen Körperverständnis aus: sie beruht auf der Wechselbeziehung zwischen Körperoberfläche und inneren Organen. Die Akupunkturnadeln verursachen Reize, die den Fluß des sog. Qi (sprich: tschii), der Lebensenergie, anregen oder verlangsamen. Akute oder chronische Erkrankungen, Streß, Ängste u.a. führen zu Dysharmonien des Körpers und damit zu Energieflussblockaden. Diese äußern sich z.B. in Form von Verspannungen, Kältegefühl, Unruhe, Kopfweh oder Schwindel und auch in Schmerzen. Durch das Stechen verschiedener Punktkombinationen im Verlauf der Meridiane können Energiestau und -blockade oder fehlgeleitete Energien beseitigt werden.
Das Qi (sprich: tschii), hat nach TCM-Verständnis zwei Seiten: Yin und Yang
Yin - "die schattige Seite des Hügels". Es steht für weiblich, Erholung, Nacht, kalt, außen...
Yang - "die sonnige Seite des Hügels". Es steht für männlich, Aktivität, Tag, warm, innen...
Nur wenn sich beide Energien in einem Gleichgewicht befinden, strömt die Lebensenergie ungehindert durch unseren Körper.
Zunächst: die Akupunktur ist eine sehr individuelle, exakt auf den Patienten bezogene Behandlung. Es wird nach der ausführlichen Befragung, der Anamnese, zuerst ein Punktgrundkonzept erstellt. Dann werden die jeweils ausgewählten Punkte mit sehr feinen (einmal-) Stahlnadeln gestochen. Die Dauer der Behandlung liegt i.d.R. zwischen 20-30 min. Ausreichend sind zumeist (in wöchentlichem Abstand) 2-3 Sitzungen. Akute Beschwerden werden oft in wenigen Sitzungen gelindert. Chronische Erkrankungen benötigen manchmal längere Behandlungssequenzen, ggf. auch in Abständen von 1-2 Wochen. Eine Behandlungsserie umfasst - je nach Erkrankung - zwischen 6-15 Sitzungen.
Die Akupunktur wird im allgemeinen sehr gut vertragen und ist praktisch frei von schädlichen Nebenwirkungen. Sie ist eine sehr wirkungsvolle Therapie, auf die der Körper auch überschießend reagieren kann. So ist ggf. beim Einstich der Nadel bei vielen Patienten ein elektrisierendes Gefühl oder "Kribbeln", ein Schweregefühl oder eine leichte Taubheit verspürbar. Man spricht dabei von einer "Nadelsensation" oder das sog. "DeQi -Gefühl". Es zeigt an, daß der Punkt richtig getroffen wurde. Nach dem Setzen der Nadel sollten Sie ruhig und entspannt liegen oder sitzen. Gelegentlich kommt es zu vegetativen Kreislaufreaktionen wie Schwindel, Müdigkeit oder Hitzegefühlen. Es kann nach Entfernen der Nadel zu einem kleinen Bluterguss kommen, der sich bald zurückbildet. (Von chinesischer Seite wird dies bei Blutstau oder Energieüberschuss sogar therapeutisch, als sog. "blutiges Schröpfen" genutzt, um Hitzestau und Blutstase abzuleiten.
Nach jeder Sitzung kann es im Prinzip zu einer vorübergehenden „Verschlimmerung“ kommen, die jedoch auf einen richtigen therapeutischen Ansatz hindeutet ("Anschlagen" der Therapie) sich aber rasch zurückentwickelt und in die Heilung übergehen kann.
Typische Indikationen für die Akupunktur sind den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation, WHO, nach:
Die Akupunktur ist derzeit noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Jedoch werden z.Z. bundesweit im Rahmen von Modellversuchen in unterschiedlichen Studien je nach beteiligter Krankenkasse - die Kosten (teilweise oder ganz) für maximal 10 Sitzungen erstattet. Voraussetzung dafür ist eine qualifizierte Ausbildung des Arztes mit entsprechender Erfahrung. Derzeit wird mindestens das sog. „B-Diplom“, mit einer Ausbildungszeit von mind. 350 std., verlangt. Diese Praxis verfügt bereits über einen längeren Zeitraum über diesen Ausbildungsnachweis.
Sind Sie bei einer privaten Krankenversicherung versichert, werden die Kosten praktisch komplett übernommen.
Die Akupunktur kann sehr gut mit bestimmten weiteren Heilverfahren und Therapien kombiniert werden. Dazu gehören andere Therapien aus der TCM: z.B. Kräutertherapie oder die Entspannungstechnik Qi Gong. Auch klassisch schulmedizinischen Therapieformen sind zur Ergänzung geeignet.