Arbeitsausfälle durch Rückenschmerzen führen die Statistiken an, nach Kopfschmerzen sind sie die zweithäufigsten Beschwerden überhaupt. Rücken-, Muskel- und Gelenkbeschwerden nehmen seit Jahren kontinuierlich zu.
Als Hauptverursacher für diese Entwicklung gelten Bewegungsarmut, Übergewicht, einseitig belastende Körperhaltungen und -bewegungen sowie psychosomatische Beschwerden und Belastungen. Dennoch wird bei 70 Prozent der Menschen mit Rückenbeschwerden keine eindeutige Ursache gefunden.
Vorbeugend wie auch nachsorgend ist ein regelmäßiges körperliches Training sinnvoll. Helfen können gymnastische Übungen sowie erprobte Techniken zum Stressabbau. Doch wenn der Rücken Alarm schlägt und Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auftreten, muss zunächst durch geeignete Schmerztherapie der Schmerzkreislauf unterbrochen werden. Hier gilt es sofort zu handeln, um unangenehme Langzeitfolgen zu vermeiden.

Eine Alltagsanalyse mit der Überprüfung der Sitz-, Steh-, Geh- und Liegegewohnheiten kann helfen, die Ursachen der Schmerzen zu entdecken und durch Veränderungen diese zu unterbinden. Regelmäßiges, gezieltes Training kann helfen, die Schmerzen langfristig wieder ganz los zu werden.
Speziell in Deutschland hat sich seit gut einem Jahrzehnt die Behandlung von Rückenschmerzpatienten geändert - immer mehr stehen aktive statt passiver Maßnahmen im Vordergrund. Waren es Ende der 80er Jahre noch die Rückenschulen, so bestimmen seit Anfang der 90er Jahre vor allem aktive, trainingstherapeutische Maßnahmen die Behandlung. Ziel: die Muskeln zu stabilisieren, die den Halteapparat stützen.
Unser Körper braucht Bewegung!
Unser Körper hat über 200 Muskeln. Sie halten das Skelett zusammen und ermöglichen eine ungeheuere Vielfalt von Bewegungen. Doch viele bewegen sich nicht mehr ausreichend, denn die Arbeits- und Lebensbedingungen erfordern das heute kaum noch. Besonders problematisch ist der Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen. Statt dessen gibt es viele einseitige Belastungen, wie schweres Heben, ungleiches Tragen oder in monotoner Haltung vor dem Bildschirm verharren. All diese belastet den Rücken einseitig. Auch Hektik und Stress können unsere Muskeln verspannen. Die Devise könnte heißen: Entspannung des Rückens durch Bewegung.

Laut einer Emnid-Umfrage hatten im Jahr 2004 zwei Drittel aller Deutschen Rückenschmerzen. Jeder Dritte davon gibt Stress als Auslöser von Rückenbeschwerden an. Dadurch fallen in Deutschland mehr als 71 Millionen Arbeitstage aus. Diese verursachen Kosten in Höhe von rund 10 Milliarden Euro.
Rückenschmerzen bei Kindern
Alarmierend: Schon die Hälfte aller Schüler hat Rückenbeschwerden. Ein Drittel der jüngeren Bevölkerung hat bereits vorgewölbte oder degenerierte Bandscheiben. Innerhalb von sechs Jahren hat sich die Zahl der 14 bis 29 Jährigen fast verdoppelt.
Die Schultaschen sind heute voll mit Büchern, Heften und anderem Schulzeug. Im Durchschnitt bringt ein Schulranzen 4 - 6 Kilogramm auf die Waage. Das ist ein Sechstel des kindlichen Körpergewichtes. Wie die Schultasche richtig zu heben ist, wissen die Kinder oft nicht. Auch wachsen der kindliche Körper und seine Muskulatur nicht immer gleichmäßig. Dennoch: Eine Erklärung für das Phänomen Rückenschmerz bei Kindern gibt es bisher nicht. Viele Krankenversicherer bieten deswegen für Kinder vorbeugend kostenlose Trainingsprogramme an. Aber auch Eltern und Pädagogen sind gefordert, Kinder zu mehr Bewegung und Sport anzuhalten und auf kindgerechtes, ergonomisches Mobiliar zu achten. Kinder lernen von Erwachsenen. Für Eltern und Pädagogen in Schulen, Horten oder Kindergärten gilt: Vorbild sein in Sachen Bewegung!
Rückenschmerzen ziehen sich durch alle Altersgruppen.
Wenn der Schmerz das Leben beschwerlich macht, gilt es schnell zu handeln, damit er nicht zur lebenslangen Last wird. Die Behandlungskonzepte starten heute frühzeitig mit Bewegungs- und Schmerztherapie. Dadurch können sich die Kranken- und Ausfallzeiten verkürzen!
Dazu ist eine umfangreiche Aufklärung der Patienten nötig, um die Bereitschaft für die eigene Aktivität zu steigern. Schließlich können Schmerzen zermürben. Siebzig Prozent aller Rückenpatienten haben leichte depressive Verstimmungen. Patienten mit Rückenleiden tendieren zum Rückzug und zur Schonung!
Heute wissen die Mediziner und Therapeuten, dass dies der falsche Umgang mit dem Schmerz ist. Bei dauerhaften Schmerzen hat unser Körper Schmerzsignale wie "Vokabeln" gelernt, reagiert deshalb sensibel und immer schneller auf mögliche Schmerzauslöser. Dieser Schmerzkreislauf muss durchbrochen werden. Die Tendenz zur Vorsicht und Schonhaltung soll durch gezielte und individuelle Bewegung in der Trainingstherapie aufgelöst werden. Ziel jeder Therapie ist es, Eigeninitiative für ein lebenslanges Training zu lernen - auch wenn es dem Rücken schon wieder besser geht! Zudem laufen die Signale für Schmerz wie auch Bewegung in den gleichen Nervenleitungen zum Gehirn.
Ein gutes Training braucht professionelle Anleitung
Rückenschmerzen trotz Training! Diese Behauptung scheint allen gängigen Meinungen zu widersprechen.
In 70 Prozent aller Fälle findet der Arzt keine eindeutige Ursache für den Rückenschmerz. In medizinisch-bildgebenden Verfahren wie Röntgen, CT, MRT sind keine degenerativen Veränderungen zu sehen. Fast immer haben Menschen einen unsymmetrischen Körperbau, oft einen Beckenschiefstand mit/ohne Beinverkürzung. Das kann zu Beschwerden im Rücken (hier bevorzugt Übergang Lendenwirbelsäule zu Kreuzbeinregion) führen, wenn nicht ausreichend rückengerechtes Bewegungstraining zum Ausgleich durchgeführt wird, oder gravierender überwiegend nur gesessen oder gestanden wird!
Heute weiß man, dass die Muskulatur die Wirbelsäule stabilisiert und eine wichtige Schlüsselrolle bei der Beseitigung von Rückenschmerzen spielt. Mögliche Schwachstellen in der Muskulatur kann die analysegestützte, medizinische Trainingstherapie zeigen. Dabei erhalten die Patienten nach einer ärztlichen Untersuchung und Bestimmung der Schmerzintensität eine biomechanische Messung der Wirbelsäule - sozusagen ein EKG der Wirbelsäule. Beim Training werden die Patienten ständig begleitet! Die fachliche und persönliche Kontrolle ist notwendig, damit die Bewegung am jeweiligen Trainingsgerät richtig ausgeführt wird. Nur die exakte Ausführung garantiert den Erfolg. Training in einer so genannten "Schon- oder Fehlhaltung" sollte vermieden werden.
Vorsicht bei Do-it-yourself-Programmen
Viele Fitnessangebote aus Büchern oder Zeitschriften motivieren zu eigenständigem Training. Dabei sollte eine professionelle Anleitung nicht zu kurz kommen. Zu jedem guten Training gehört eine Aufwärm-, Dehnungs- und Cool-Down-Phase, die beim Do-it-yourself-Programm meistens vergessen wird. Erst die Erkenntnis über Art, Dauer und persönliche Voraussetzungen schaffen die Basis für einen individuellen Trainingserfolg. Hier hilft schon der nächste Sportverein.
Viele Fitnessstudios und Krankenkassen haben auf die neuen Anforderungen reagiert. Es wird ein persönliches Trainingsprogramm an die gesundheitliche Voraussetzungen oder Wünsche angepasst - wie zum Beispiel für den Rücken! Vor allem Einrichtungen, in denen Sport- und Gymnastiklehrer oder Physiotherapeuten als Trainer mit einer Ausbildung zum präventiven Gesundheitsport arbeiten, können qualitatives Training bieten! Fragen Sie nach!
Muskelaufbau durch Bewegung ist in jedem Alter möglich. Dabeibleiben ist alles! Nur kontinuierliches Training hält den Rücken fit!
Sitzen ist des Deutschen liebste Tätigkeit!
In den vergangen fünfzig Jahren sind zwei Drittel aller Arbeitsplätze in sitzende Beschäftigungen umgewandelt worden. Angesichts der vielen Rückenleiden sollte heute jeder Arbeitsplatz mit ergonomischen Möblierung ausgestattet sein. Das ist nicht immer der Fall, und im Alltag kommen noch viele Bewegungssünden hinzu! Wir sitzen zu lange, heben und tragen falsch und faulenzen am Abend, um zu entspannen! Aber Bewegung ist der Schlüssel für einen gesunden Rücken!
Rückenpatienten erhalten während der Rehabilitation Ergonomie-Unterricht. Sie sollen lernen, alltägliche Bewegungen rückenfreundlicher auszuführen. Damit der Rücken wieder beweglich wird und schmerzfrei bleibt.
Motivation zur Eigeninitiative ist auf allen Ebenen gefragt. Was ist aber zu tun, wenn sich die Firma keine Gymnastikpausen für ihre Mitarbeiter leisten kann. Im Zuge des neuen betriebliches Gesundheitsmanagement muss jeder Betrieb Lösungen finden. Zum Beispiel durch Pausenangebote, welche die Mitarbeiter zur Bewegung nutzen sollen, kombiniert z.B. mit einem Bonus-System. Ein Fitnessraum im Betrieb ist leider heute aber noch die Ausnahme.
Thema Stress
Jeder dritte Rückenschmerz-Patient gibt Stress als Ursache seiner Beschwerden an. Deshalb wird in manchen Fort- und Ausbildungen das Thema "Gesundheits-Management" integriert. Leitende Mitarbeiter müssen lernen, Arbeitsorganisation und Führungsmanagement so zu gestalten, dass sie das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz berücksichtigen! So kann das Betriebsklima deutlich verbessert werden und Ausfallzeiten der Belegschaft gehen zurück.


Bandscheibenvorfall der LWS
hier bei LWK 4/5
Plötzliche starke Beschwerden in der Lendenwirbelsäule, evt. mit Ausstrahlung ggf. in das Gesäß, die Hüfte, in den Oberschenkel (nach hinten, vorn oder seitlich), bis in die Wade oder Unterschenkel, Fuß oder Zehen können, auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten. Interessant: fast nie kommen Pat. mit diesen Symptomen als erstmaliges Ereignis, also aus heiterem Himmel in die Praxis. Zumeist sind schon Beschwerden ähnlicheren oder geringeren Ausmaßes in der Vergangenheit vom Patienten berichtet und sogar behandelt worden. Nun aber eben deutlich ausgeprägter in Schmerzintensität, Ausstrahlung und Bewegungseinschränkung.
Eine erste klinisch orthopädische und neurologische Untersuchung muss klären, ob durch die Beschwerden auch Nerven der Lendenwirbelsäulenregion „eingeklemmt“ und komprimiert werden. Taubheitsgefühle in den Beinen oder Füßen erhärten den Verdacht, dass eine Bandscheibe „ins rutschen“ geraten sein kann. Kräfteunterschiede beim Hochziehen und Herunterdrücken von Unterschenkel oder Fuß/ Zehen sind evt. weitere Zeichen des Bandscheibenvorfalls. Nach den klinischen Untersuchungen muss ggf. bildgebende Diagnostik, Röntgen und MRT den Verdacht bestätigen - oder ausräumen!
Besteht gleichzeitig mit den o.g. Symptomen die (sehr seltenen) Symptome von Kontrollverlust des Stuhlgangs und Urins oder eine sog. „Reithosenmissempfindungsstörung“ im Gesäßbereich , so ist unverzüglich die Notfallstation eines Krankenhauses aufzusuchen oder der Notarzt zu verständigen, da eine Querschnittssymptomatik droht.
Mit Therapiemaßnahmen sollte jedoch nicht bis zur Diagnosesicherung mittels MRT gewartet werden. Diese werden sofort eingeleitet nach der klinischen Untersuchung eingeleitet.



Bandscheibenverlagerungen bei unterschiedlichen Körperhaltungen



