Dauerhaft falsche Belastungen im Alltag, z.B. Fehlhaltungen des Körpers und abgewinkelte Kopfhaltungen während PC-/ Notebookbedienung; langandauernde einseitige Sitzhaltungen, falsche Kopfhaltung beim Autofahren; „eingeknickte“ Kopfhaltung beim Schlafen - evt. in Verbindung mit Zugluft; auch starker seelischer Druck und Stress sowie Unfälle können Verhärtungen und Verkürzungen der Muskulatur bewirken. Ausgelöst wird evt. so eine Druckvermehrung einzelner Wirbelsäulengelenke. Durch eine nicht an die Belastbarkeit eines Wirbelsäulengelenkes angepasste Druckvermehrung kommt es dann zwischen den Gelenkflächen zu Verhaftungen. (Dies ist physikalisch am ehesten mit dem Verhaften von nassen Glasscheiben zu vergleichen. Ähnliches geschieht auch, wenn nasse Trinkgläser, die fest ineinander geschoben wurden, verhaften und dann in ihrer Bewegung "blockiert" sind. )
Kein Gelenk, welches in der Definition der Manualmedizin "blockiert" genannt wird, ist jemals wirklich "ausgerenkt". Das Ausrenken z.B. eines Halswirbels im anatomischen oder im chirurgischen Sinn wäre eine sehr schwere Verletzung, die häufig nicht mit dem Leben vereinbar ist. Insofern wird bei der Chirotherapie niemals ein Gelenk wirklich „eingerenkt“! Wenn eine solche "Blockierung" Schmerzen, Bewegungsverlust oder andere Störungen verursacht, kann sie durch die ärztliche Handgrifftechnik beseitigt werden. Dies ist weniger gefährlich als viele Medikamente und schneller als einfaches Abwarten.
Warum kommt es bei der Therapie zum "Knacken"?
Warum "knackt" es nicht immer?
Bei der chirotherapeutischen Manipulation des Arztes kommt es meistens, aber nicht immer zu einem hörbaren "Knack"- Phänomen. Dies tritt auf, wenn die Gelenkflächen, die bei einer Blockierung durch einen dünnen Film aus Gelenkflüssigkeit miteinander verhaftet sind, impulsartig voneinander getrennt werden. Auch wenn in das Gelenk keine Luft einströmt, so ist doch dieses Knacken mit dem Geräusch vergleichbar, welches beim ersten Öffnen einer Orangensaftflasche oder eines Marmeladenglases auftritt. Einerseits ist das Geräusch ein Hinweis für Patient und Arzt, daß die Blockierung gelöst wurde. Andererseits kann eine "De-Blockierung" aber auch geräuschlos erfolgen, z.B. wenn sie langsam durch eine Mobilisierung erreicht wird. Die Entscheidung über die jeweils günstigste Behandlung liegt beim Arzt. Er wird sich aus Diagnostik und Erfahrung für das jeweils schonendste und effektivste Verfahren entscheiden.
siehe auch: Manuelle Therapie
Das Facettensyndrom gehört zu den degenerativen (verschleißbedingten) Erkrankungen der Wirbelsäule und beschreibt verschiedene Krankheitszeichen (Syndrom) bei fortgeschrittener Abnutzung der kleinen Wirbelgelenke). Von einem Facettensyndrom sind vorwiegend Menschen über 50 Jahre betroffen. Ganz überwiegend tritt dieses Krankheitsbild im Bereich der unteren Lenden- und Halswirbelsäulenfacettengelenke auf, kann aber auch andere Abschnitte der Wirbelsäule betreffen.
Die Spondylarthrose tritt als eigenständiges Krankheitsbild auf (=Facettensyndrom) oder ist an der Entstehung anderer, schwerwiegender Krankheitsbilder beteiligt (z.B. Spinalkanalstenose, Nervenwurzelkompressionssyndrom)
Ursachen und Entstehung:
Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper werden durch die geringere „Pufferwirkung“ verschleißbedingt erniedrigter Bandscheiben mehr belastet. Der Körper reagiert darauf mit Knochenverdichtung (Sklerosierung) und knöchernen Anbauten an den Wirbelkörpern (Osteophyten), die röntgenologisch zu erkennen sind. Ursprungs- und Ansatzpunkte der Muskeln und Bänder der Wirbelsäule verändern sich durch Verkürzung oder Überdehnung. Beides führt über den Funktionsverlust zur Schwächung dieser Strukturen. Stattdessen bilden sich schmerzhafte Muskelverhärtungen (Muskelhartspann; Myogelosen). Es kommt zu schleichenden Veränderungen in der Wirbelsäulenstatik bis hin zu Gelenksinstabilitäten. Eine inkongruente Lage der Wirbelkörpergelenke zueinander bedingt vorzeitigeren Knorpelabrieb der Gelenkpartner. Es spielen sich dann die gleichen Vorgänge ab, die für die Knie- oder Hüftgelenksarthrose hinlänglich bekannt sind: Gelenkentzündung, Kapselschwellung und Gelenkdeformität. Schließlich ist das Gesamtbild einer Wirbelgelenkarthrose (Spondylarthrose) ist entstanden. Instabilitätsbedingte Verschiebungen der Wirbelkörper (Pseudospondylolisthesis), knöcherne Wirbelkanalanbauten, Bandscheibenvorwölbungen und Verdickungen der Wirbelgelenke und Wirbelbänder (Ligamentum flavum) können schließlich zu einer beträchtlichen Enge des Wirbelkanals führen (Spinalkanalstenose) und das Rückenmark selbst oder die abgehenden Nervenwurzeln bedrängen. Als Rezessusstenose bezeichnet man eine Bedrängung der Nervenwurzel im Rezessus lateralis (seitlicher Bereich des Wirbelkanals), meistens durch degenerative Veränderungen des oberen Wirbelgelenkfortsatzes (Prozessus articularis superior) verursacht.
Beschwerden
Im Gegensatz zu einem Bandscheibenvorfall, der an der gleichen Position auftretend, bei verschiedenen Menschen oft gleiche, reproduzierbare Beschwerden auslöst (z.B. Reflexausfall, Lähmung, Gefühlsstörungen), kann ein Facettensyndrom, auch wenn es sich um den gleichen Wirbelsäulenabschnitt handelt, bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Krankheitszeichen (Symptome) hervorrufen.
Dennoch gibt es einige Charakertistika, die an das Vorliegen eines Facettensyndroms denken lassen. Dazu gehören:
Alle o.g. Symptome können beim Facettensyndrom vorkommen, einzelne davon sogar vordergründig und dominant. Andere Symptome können auch komplett fehlen. Immer sollte auch an einen „echten“ Bandscheibenvorfall gedacht werden, insbesondere wenn vom Arzt eingeleitete Therapien nicht innert 1-7 Tagen „anschlagen“, eine Verschlimmerung auftritt, Lähmungserscheinungen hinzukommen.
Röntgen
* Prinzipiell lässt sich die Röntgenaufnahme der Wirbelsäule als bildgebende Basisdiagnostik bezeichnen. Über die Röntgenbilder erhält der behandelnde Arzt einen Einblick in die Wirbelsäulenhaltung. Darüber hinaus können knöcherne Veränderungen (Kalksalzminderung (Osteoporose?), Wirbelsäulenverkrümmungen, Wirbelkörperbrüche, Wirbelgelenkarthrosen (Spondylarthrose), Wirbelkörperanbauten und Bandscheibenerniedrigungen erkannt werden. Nicht zu erkennen ist auf einer Röntgenaufnahme hingegen, inwieweit es durch die Wirbelgelenkarthrose zu einer Bedrängung von Nervenstrukturen kommt.
Hierfür sind Schnittbildverfahren wie CT (Computertomographie) und MRT (Magnetresonanztomographie) notwendig, die durch ihre Schnittführung die Weite des Wirbelkanals und die Spinalnerven (Rückenmarksnerven) in verschiedenen Ansichten darstellen können.
CT / MRT
Die Schnittbilddiagnostik (CT und MRT, mit/ohne Kontrastmittel) ermöglicht die Zuordnung des Schmerzes zu einem bestimmten Nerven oder einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt.
Mit Hilfe des CT (Computertomogramm) lassen sich weitergehende Fragen bezüglich der knöchernen Struktur beantworten (z.B. Spondylarthrose, Spinalkanalstenose, Wirbelkörperbruch).
Noch wertvoller in der Wirbelsäulendiagnostik ist das MRT (Magnetresonanztomogramm), das besser als CT, auch die Weichteilstrukturen (Bandscheiben, Nervenwurzeln, Bänder) darstellt. Alle o.g. Erkrankungen können mit MRT erkannt und einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt zugeordnet werden.
Keines der genannten Verfahren ist hingegen beweisend für ein Facettensyndrom. Selbst bei eindeutigem Nachweis einer Wirbelgelenkarthrose ist nicht gesagt, dass diese Bilddiagnose auch die Beschwerdeursache ist.
Therapie Spondylarthrose und Facettensyndrom
Eine kausale Therapie für eine fortgeschrittene Wirbelgelenkarthrose gibt es nicht, daher steht die Schmerz- und Physiotherapie im Vordergrund der (konservativen) Behandlung.
Hierzu gehören:
1: Facettengelenksarthrose
2: Spondylarthrose
3: Osteochondrose