In der Folge wird insbesondere die Sitzhaltung und Arbeitsvorgänge im Büro und besonders am Schreibtisch kurz aus orthopädisch-ergonomischer Sicht analysiert.
Auf weitergehende Darstellungen auch zu anderen Arbeitsplatzsituationen muss an dieser Stelle verzichtet werden. Ggf. beantworten wir Fragen hierzu in der Sprechstunde. Wir machen auch darauf aufmerksam, dass praktisch alle Behörden und Institute sowie mittlere und größere Betriebe mit dem
Arbeitsmedizinischen- oder Betriebsmedizinischen Dienst kooperieren, der auch regelmäßig und bei Bedarf sog. Arbeitsplatzbegehungen vornimmt/ vornehmen sollte.
Der langjährige Anpassungsprozess des Menschen an die Arbeit hat aus dem Laufwesen ein Sitzwesen geformt. Aus einer all- und vielseitigen Körperbelastung zu früheren Zeiten resultiert heutzutage die alles beherrschende Sitzbelastung. Leistungsminderungen der gesamten Rumpfmuskulatur sind die Folge.

Ein Beispiel: die Kraft der Rumpfmuskulatur ist derart schnell erschöpft, dass ein schwerer Wintermantel bei vielen Personen nicht mehr beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum toleriert werden könnten. Noch im Mittelalter wurden von Rittern Rüstungen (zu Reiter- und Kampfspielen etc.) über einen längeren Zeitraum toleriert, die zwischen 30-40 kg wogen.
Nun, Ritterrüstungen müssen zum Glück heutzutage nicht mehr angezogen werden und heute werden schwere Wintermäntel durch leichtere Materialien (Kunstfaserstoffe etc.) ersetzt, um die Rumpfmuskulatur „zu schonen“.
"Entstehung von chronischen Rückenschmerzen im Büro"

Bei der Arbeit am Schreibtisch ist das „Lümmeln“ gesünder als die aufrechte Sitzposition. Die beste Sitzhaltung wird nicht bei einer Beugung des Oberkörpers von 90° erreicht, sondern locker zurückgelehnt bei 135°, wie ein Team schottischer Wissenschaftlicher herausfand. Bei einer Haltung von 135° werde auf die WBS weniger Druck ausgeübt als in aufrechter oder nach vorn gebeugterPosition, heißt es in der am 28.11.06 veröffentlichten Studie, für die 22 Versuchsteilnehmer im MRT untersucht wurden. Aus biomechanischer Sicht ist die Druckbelastung für die WBS bei einem Sitzwinkel von 135° die geringste.
In Deutschland empfehlen die Berufsgenossenschaften ebenfalls kein starre Sitzhaltung, sondern ein sog. Dynamisches Sitzen: mal aufrecht, zurückgelehnt, mal vorgebeugt.
(aus: Financ. Times Deutschl., 29.11.06)
Büroangestellte oder Beschäftigte mit überwiegend sitzender Tätigkeit sind in (sehr überwiegend) sitzender Körperhaltung extremen Belastungen des Stütz- und Bewegungsapparates ausgesetzt. Basis eines komplexen muskulären Ungleichgewichts (Dysbalancen) des Rückens ist dabei die latente Schwäche der gesamten Rumpfmuskulatur, bedingt durch die Anpassung an die Arbeit im Sitzen und (leider) durch fehlendes körperliches Training! In der Folge über einen längeren Zeitraum stützt die zu schwache Rumpfmuskulatur kaum mehr die optimal aufrechte Haltung des Rückens auf dem „Büro-Sitzelement“. Das Resultat ist eine Rundrückenbildung (Hyperkyphose), bei der die Rückdrehkippung des Beckens mit einbezogen ist. Dabei werden die (vorwiegend hinteren) Bandscheibenanteile, insbesondere die untersten zwei Etagen (am Übergang von Hals- zur Brustwirbelsäule sowie von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein) einer außerordentlichen Druckbelastung und damit einem fortwährenden Bandscheibenverschleiß ausgesetzt, deren weitere Konsequenz ein Bandscheibenvorfall sein kann (nicht sein muss!).
In der Folge bewirken Rundrücken und abgeschwächte Schulterblattmuskeln eine Lageverschiebung der Schultergelenke nach vorn. Dies wiederum bewirkt eine Druckerhöhung in den Brustbeingelenken, da die Schlüsselbeinknochen und gelenke als „Stoßdämpfer“ fungieren. Rippen- und Brustbeingelenke werden in diese Druckverlagerung auf Grund der Fehlhaltung ebenfalls mit einbezogen.
Als „Gegenmaßnahmen“ greift der belastete Körper auf die Aktivierung eines entlastenden Reflexbogenmechanismus´zurück. Schmerzsignale werden über Nozizeptoren (= sog. „Schmerzfühler“) zum Rückenmark und Gehirn übertragen.
Als Folge der Schmerzmeldungen kommt es zunächst zu einer nervalen „Entlastung“ durch Aktivierung geeigneter Hilfsmuskelgruppen. „Erkauft“ wird diese Entlastung jedoch durch die Verkürzung seitlicher Halsmuskeln wie z.B.der Scalenusmuskeln und der Sternocleidomastoideusmuskeln sowie dem Trapeziusmuskel, die sehr wichtige Funktionen bei der Hebung und Drehung des Halses haben. Logische Folge sind die weithin verbreiteten Schulter-Nackenverspannungen und muskuläre Verhärtungen mit/ohne Ausstrahlung der Beschwerden in die Arme oder in den Kopf, mit möglicherweise folgenden Spannungskopfschmerzen.
Im Bereich des Beckens und der Lendenwirbelsäule läuft die komplexe, langsam sich fortentwickelnde Fehlentwicklung „der überwiegend im Büro angestellten Personen“ wie folgt ab:
Die verkürzte Rückenmuskulatur und die verkürzten Hüft-Lendenmuskeln (hier insbesondere der Iliopsoasmuskel) führen zu einer vermehrten Hohlkreuzentwicklung (Hyperlordose) und verstärkter Rotation des Beckens nach vorn. Diese Beckenkippung nach vorn behindert die Streckung der Hüftgelenke. Durch eine abgeschwächte Bauch- und Gesäßmuskulatur kommt es im weiteren Verlauf durch die anhaltend sitzende Tätigkeit zur weiteren Verstärkung von Fehlrotation des Beckens und die Hohlkreuzentwicklung schreitet weiter fort.
Wir wollen durch ein vernünftiges, praktisches, tägliches Kurzprogramm Menschen aller sitzenden Berufsgruppen einfache, unkomplizierte, pragmatische Möglichkeiten aufzeigen, diese Beschwerden wieder zu beseitigen bzw. nicht chronifizieren zu lassen. Auf der anderen Seite soll aber jedem einzelnen Patienten/ Angestellten eines Büros sein Teil der Verantwortung dem eigenen Körper und Geist gegenüber aufgezeigt werden.
Initiativkreis "Neue Büroarbeit"
Büroarbeit - sicher, gesund und erfolgreich
(Informationen der Veraltungsberufsgenossenschaften)
Ergonomischer Umgang mit dem Computer am Büroarbeitsplatz
Diese Empfehlungen sollen Sie bei einer möglichst beschwerdefreien Arbeit mit dem Computer/ Notebook unterstützen. Die Beachtung der hier angeführten Ratschläge kann auch dazu beitragen, das Risiko schmerzhafter und u. U. zu dauerhaften Schäden führender Verletzungen oder funktioneller Störungen (akut oder chronisch) im Muskel-, Sehnen-, Bänder-, Gelenkkapselbereich zu senken.
Bei vielen Menschen können die hier angegebenen Ratschläge ggf. Beschwerden verringern. Bei anderen Personen ist das u.U. nicht der Fall. Viele Personen fühlen sich jedoch evt. wohler und sind produktiver, wenn sie diese Ratschlägen folgen.
Korrekte Haltung
Sowohl bei beruflichen als auch bei Freizeitaktivitäten ist es wichtig, ungünstige Haltungen, einseitige Belastungen für die Rumpf- und Haltemuskulatur und Zwangshaltungen zu vermeiden und immer wieder auch bequeme Positionen einzunehmen. Achten Sie auch darauf, bei längeren gleichbleibenden Tätigkeiten regelmäßig eine andere Haltung einzunehmen, um Beschwerden und vorzeitige Ermüdung zu vermeiden.
Richten Sie Ihre Arbeitsumgebung und die Geräte so ein, dass eine bequeme und entspannte Körperhaltung möglich ist. Die optimale Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes hängt von Ihrer Körpergröße und Arbeitsumgebung ab. Die folgenden allgemeinen Ratschläge helfen ggf. die eigene Umgebung bequemer zu gestalten.
Unterstützung Ihres Rückens
Verwenden Sie einen Stuhl, der Ihnen Unterstützung im Kreuzbereich bietet.
Stellen Sie die Sitzhöhe und die Höhe der Arbeitsoberfläche so ein, dass Sie eine bequeme und natürliche Körperhaltung einnehmen können, ggf. mit Sitzflächenneigung nach vorn abfallend (mechanische Verstellbarkeit oder Sitzkeilkissen). Eine Arm- und ggf. auch eine Kopfstütze wirken häufig entlastend.
für eine komfortable Beinhaltung
Entfernen Sie störende Gegenstände unter dem Schreibtisch, um genügend Beinfreiheit und eine komfortable Beinhaltung zu ermöglichen.
Wenn Sie Ihre Füße nicht bequem auf den Boden stellen können, verwenden Sie ggf. eine Fußstütze.
Um Ihre Arme nicht zu weit ausstrecken zu müssen und eine komfortable und Schulter- und Armhaltung zu ermöglichen
korrekte Handgelenk- und Fingerhaltung
bequeme Haltung des Halses:
Schonung Ihrer Augen
Vermeiden Sie Überlastungen
Unser Körper ist ständig verschiedenen Krafteinwirkungen ausgesetzt. Wir neigen zu der Annahme, dass nur starke Kräfte, beispielsweise bei einem Autounfall, zu Verletzungen führen. Aber auch geringe Kräfte können bei wiederholter oder lang andauernder Einwirkung zu Verletzungen, Überlastungen, Beschwerden und Ermüdung führen.
Dazu zählen beispielsweise folgende Krafteinwirkungen:
Dynamische Krafteinwirkung: Eine Kraft, die durch Bewegung ausgeübt wird, beispielsweise beim Drücken von Tasten auf der Tastatur oder auf der Maus. (Typisches Überlastungssyndrom wäre hier z.B. ein „Tennis“- oder „Mausellenbogen“.)
Statische Krafteinwirkung: Eine Kraft, die über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wird, beispielsweise beim Halten und Arbeiten mit der Maus oder des Telefonhörers. (Z.B. „muskulärer Schiefhals“ oder „Blockierung in der HWS“)
Krafteinwirkung durch Kontakt: Eine Kraft, die bei Kontakt mit Kanten oder harten Oberflächen ausgeübt wird, beispielsweise beim Ablegen der Hand- und Ellenbogengelenke auf der harten Tischkante. (Daraus kann sich bspw. eine typische Verletzung wie eine „Schleimbeutelentzündung“ am Ellenbogen entwickeln.)
Machen Sie regelmäßig Pausen
Pausen unterstützen den Körper bei der Regenerierung und können Überlastungsrisiko für Sehnen- Muskelverspannungen verringern. Die optimale Länge und Häufigkeit der Pausen hängt von Ihrer Tätigkeit ab. Pausen können unterschiedlich aussehen. Sie können beispielsweise die aktuelle Tätigkeit beenden und sich entspannen. Sie könnten aber auch einfach eine andere Tätigkeit beginnen und dabei beispielsweise nach einer längeren Schreibtätigkeit im Sitzen eine Weile im Stehen telefonieren, um einige Muskeln zu entspannen und andere zu fördern.
Leben Sie gesund
Eine gesunde Lebensweise kann dazu beitragen, alle täglichen Aktivitäten, einschließlich der Arbeit am Computer, problemlos und beschwerdefrei ausüben zu können. Wenn Sie sich über eine gesunde Lebensweise informieren, können Sie so auch dazu beitragen, produktiv und entspannt am Computer zu arbeiten.
