...„es wächst eine Generation von Übergewichtigen heran...“ „ Deutschlands Kinder bewegen sich zu wenig und essen falsch...“ Bild-Zeitung, Fernsehsendungen, Ärztekongreße (z.B. Pädiaterkongreß 2004 in Bonn) das Thema „Übergewicht bei immer mehr Kindern“ gelangt stärker in das öffentliche Bewusstsein. Zum Glück!
Wesentliche Ursache des kindlichen Übergewichts ist dabei der Bewegungsmangel, in den Kinder bereits im Kindergarten häufig hineingezwängt werden. Die Gewöhnung an eine stuhl- und tischbezogene Lebensweise wird in der Schule fortgesetzt Erstklässler müssen häufig zuerst das „Stillsitzen“ lernen. Bewegung, schlichter Ausdruck kindlicher Lebensfreude und wichtiges Mittel, die Umwelt zu erkunden wird schnell als störend empfunden. Schüler verbringen etwa 10-12 Stunden am Tag mit Sitzen. Bereits Grundschüler sitzen im Durchschnitt 25-30 Stunden pro Woche. In der Oberschule kommen zum alltäglichen Sitzzwang in der Schule, den Fahrzeiten im Auto oder Bus zur/von der Schule und Zeiten vor dem Computer etwa 30 Stunden Fernsehen pro Woche. Nicht von ungefähr sieht eine amerikanische Studie im „Fernsehen und Fettleibigkeit bei Kindern“ einen direkten proportionalen Zusammenhang.
Viele Kinder haben es verlernt, noch rückwärts gehen zu können. Ein Schulkind schaffte durchschnittlich 20 sec. im Einbeinstand zu verharren, dann ist Schluss. Wird ein Jugendlicher heutzutage aufgefordert, so weit zu laufen, wie er kommt, schafft er etwa 600 Meter. Dann ist er außer Puste und muss aufhören. Etwa ein Drittel der unter Achtjährigen kann nicht mehr schwimmen.
Besonders problematisch ist der Bewegungsmangel bei übergewichtigen Kindern, von denen es zum Zeitpunkt der Einschulung jedes Jahr im August/September immer mehr gibt. 1984 wurde in Ernährungsberichten ein Anteil von 12% heranwachsender übergewichtiger Jugendlicher und Kinder festgestellt. Im Jahr 2004 lag diese Zahl bereits bei 20% - Tendenz steigend. Der Anteil adipöser Kinder nimmt jedes Jahr um 0,8% zu. Eine Untersuchung an Brandenburger Kindern und Jugendlichen 10 Jahre nach der Wiedervereinigung hat gezeigt, dass die Zahl dicker und fettleibiger Kinder, insbesondere die der stark übergewichtigen, eindeutig zugenommen hat. Diese Entwicklung ist bedenklich. Fatal können die Folgen schon bei Kindern sein: Schäden am Bewegungsapparat, Herz-Kreislauferkrankungen und Hormonelle Störungen (z.B. Verkümmerung der männlichen oder weiblichen Geschlechtsorgane) sind auch bei Kindern keine Ausnahmefälle mehr. Am sog. „Altersdiabetes Typ II“ leiden inzwischen in Deutschland bereits rund 4000-6000 Kinder und wird so langsam zur neuen „Kinderkrankheit“. Rund einem Drittel der Zehnjährigen schmerzt bereits der Rücken. Haltungsschäden müssen zwangsläufig entstehen, wenn jeder dritte Schulanfänger, den Bauch statt der Brust rausstreckt, bei den 15-Jährigen geht jeder zweite ins ungesunde Hohlkreuz.

Diese Zahlen sind alarmierend. Der Berufsverband der Orthopäden fordert seit langer Zeit eine zeitliche Ausweitung des Faches Sport in der Schule auf mind. 3 Stunden pro Woche! In den Bundesländern ist teilweise das Gegenteil der Fall: Streichung von Sportlehrerstellen und Sportstunden durch Schulbehörden.
Eltern fällt es oft gar nicht auf, dass ihre Sprösslinge zu dick sind, z.T. auch, weil sie selbst „ein paar Pfunde zuviel“ haben. Nach den neuesten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (Februar 2007) ist auch jede 2. erwachsene Frau übergewichtig und sogar zwei von drei Männern sind schlichtweg zu dick.
Übergewicht geht bei Kindern oft auch mit einem verminderten Selbstwertgefühl einher. In der sensiblen Entwicklungsphase von 8-12 jährigen kommt es daher nicht selten zu sozialer Isolation und Diskriminierung in der Gruppe Gleichaltriger.
Was ist zu tun?
Nach einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung betrug die Gesamtaktivitätszeit eines Erwachsenen im Jahr 1960 noch 38 Stunden pro Woche. Heute sind es 12 Stunden wöchentlich. Zum Vergleich: Menschen, die im kenianischen Hochland leben, legen pro Woche durchschnittlich 60 bis 70 Kilometer zu Fuß zurück. Lange Strecken davon im Laufschritt! Nicht von ungefähr vielleicht sind viele Olympiasieger über 10.000 m und Marathongewinner kenianischer Abstammung!
Auf Grund von weniger Bewegungserfahrungen sind die Kinder auch anfälliger für Verletzungen, z.B. Verstauchungen oder Kapselzerrungen und Bänderrisse. Eine Studie im Kindergarten hat jedoch gezeigt, dass diese Unfallgefahr im Laufe eines sechsmonatigen Motorik- und Koordinationstrainings deutlich reduziert werden konnte.
Also, diese Aussage sei erlaubt: Sport tut gut auch und gerade schon in sehr jungen Jahren. Um Überlastungsschäden und Verletzungen zu vermeiden, sollte einige im Folgenden aufgeführten Punkte beachtet werden!
Im Kleinkindalter sollte die Freude an der Bewegung im Vordergrund stehen. Spielerische Sportarten, die dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder Rechnung tragen, sind am ehesten zu empfehlen. Es genügt, dass die Kinder erfahren, dass sie schnell, langsam, rückwärts laufen, kriechen, rutschen und springen können, auch einmal (seicht) bergauf und bergab und dass sie Treppen hinab- und hinaufkommen können.
Im Grundschulalter können motorisch komplexere Bewegungsabläufe erlernt werden und ein Schnelligkeits- und Koordinationstraining beginnen.
Während der Pubertät ist das Skelett des Heranwachsenden besonders empfindlich, deshalb kommt es in diesem Alter häufig zu Überlastungsschäden (z.B. Rundrückenausbildung, sog. „Scheuermann´sche Erkrankung), mit denen betroffene Personen noch im Erwachsenenalter zu kämpfen haben. Daher sind übermäßige Dreh- und Biegebelastungen der Wirbelsäule nicht zu empfehlen. Das Training sollte eher auf Kräftigung des gesamten Bewegungsapparates ausgerichtet sein, eine einseitige Spezialisierung vermieden werden. Schwimmen wäre an dieser Stelle sehr zu empfehlen, insbesondere die Erlernung der korrekten Technik beim Brust- Kraul- und Rückenschwimmen.
Ein Kraft- und Ausdauertraining sollte frühestens ab ca. 14-16 Jahren erfolgen.
Ein Facharzt für Orthopädie und/oder Sportmedizin sollte prüfen, ob Kinder oder Jugendliche beim Wunsch eine bestimmte Sportart häufiger oder im Verein auszuführen aus medizinischer Sicht der Aufnahme eines solchen regelmäßigen Trainings körperlich gewachsen sind. Diese Sport-Atteste helfen auch, im Rahmen der Untersuchung körperliche Auffälligkeiten herauszufinden und ggf. einer speziellen Therapie zuzuführen. Kinder/ Jugendliche, welche durch bestimmte Sportarten besonders belastet sind oder einen hohen Leistungsanspruch verfolgen (oder die Eltern oder Trainer der Kinder!), sollten 1x jährlich einem sportmedizinisch oder kinderorthopädisch geschultem Mediziner vorgestellt werden.
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S.T.E.P.S - Ernährungsprojekte für Jugendliche mit Motorik- und Gewichtsproblemen
Sport- und Freizeitzentrum Siemensstadt
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