

Als Dauerschmerz oder plötzliche Attacke. Häufig suchen betroffenen Patienten jahrelang nach Hilfe, ehe endlich geeignete Therapien eingeleitet werden.
Die Diagnose und Therapie der Schmerzsymptome sind vielfältig, da Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich oftmals kaum voneinander zu trennen bzw. zu unterscheiden sind. Lebens- und Arbeitsbedingungen können bei der Entstehung diese gesundheitliche Probleme entscheidend beteiligt sein.
Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass eigentlich jeder Patient selbst etwas tun kann, um Schulter- und Rückenschmerzen vorzubeugen und den Alltag wieder unbelastet erleben zu können.
Entwicklungsgeschichtlich ist wohl der aufrechte Gang des Menschen Hauptursache für die Überlastung unserer Wirbelsäule. Es gilt daher alles zu tun, um das „Gesamtsystem Körper“ in einem stabilen Gleichgewicht und damit schmerzfrei zu halten. Die vor Jahrtausenden (s. Graphik) alles bestimmende „Lauf- und Bewegungshaltung“ beim Menschen wurde zunehmend durch die statische Sitzhaltung des Körpers heutzutage abgelöst. Mit fatalen Folgen!
Immer Schmerzen in Schulter und Nacken
In der Bundesrepublik klagen 30 Millionen Menschen über eine verspannte Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich, über „eingeklemmte Nerven“, „ausgerenkte Wirbel“ und eine „steife/ gefrorenene“ Schultern oder Einklemmungssyndromde am Schultergelenk .
Betroffen sind nicht nur ältere Menschen, viele spüren das erste Zeichen im Kreuz bereits vor dem 40. Lebensjahr. Verschleißerscheinungen sind an jeder Wirbelsäule jenseits des 30. Lebensjahres nachweisbar. Gegen das Kreuz mit dem Kreuz gibt es kein Wundermittel und degenerative Veränderungen der Wirbelsäule können letztlich nicht verhindert werden. Sie können aber hinaus geschoben werden - und das hält die Wirbelsäule schmerzfrei.
Über Kopf arbeiten, einseitige Haltungen aber auch degenerative Veränderungen im Bereich der Wirbelkörper, Bandscheiben, Sehnen und Knorpel können die Ursache für Schmerzen in der Halswirbelsäule (HWS) und/oder in den Schultern und Schultergelenken sein.
Eine erste klinisch-orthopädische Untersuchung soll klären, woher der Schmerz ursächlich kommt. Weitere Hinweise liefern bildgebende Verfahren. Das HWS-Nacken-Syndrom ist ein häufiges Krankheitsbild, bei dem verschiedenste Fachrichtungen der Medizin gefordert sind. Neben dem Orthopäden sollten im Einzelfall auch Neurologen, Rheumatologen und Herzspezialisten (z.B. bei ausstrahlenden Schmerzen, v.a. in die linke Brust und linker Arm!?) zu Rate gezogen werden.
Mögliche Ursachen für Schulter und/ oder Nackenschmerzen
Das HWS-Syndrom - der Schmerz im Nacken
Geht es um Rückenleiden, spielen Probleme mit der Halswirbelsäule oft eine große Rolle. Denn kein anderer Abschnitt der Wirbelsäule ist so beweglich und wird derart belastet. Nicht nur der Auffahrunfall im PKW (Schleudertrauma) ist oft die Ursache für Halswirbelprobleme. Fehlhaltungen (zum Beispiel durch stundenlanges Sitzen am Arbeitsplatz), psychische Belastung und Abnutzungserscheinungen der HWS sind ebenfalls häufige Gründe. Kein Wunder also, dass die Patienten oft von Arzt zu Arzt hasten. Denn bei der Diagnose gibt es ein großes Problem: Die Anzeichen für das HWS-Syndrom können sehr unterschiedlich sein. Das müssen nicht nur Nackenschmerzen sein.
Triggerpunkte
Ein wichtiges Untersuchungsinstrument sind die Hände des Arztes. Mit gezieltem Abtasten kann er die Stellung und die Funktionstüchtigkeit der einzelnen Wirbel feststellen. Er prüft ihre Beweglichkeit und den Zustand von Sehnen und Bändern. Aufschlussreich sind auch die so genannten Triggerpunkte. Das sind kleine verhärtete Regionen in der Muskulatur, die Ausgangspunkt für Schmerzen sein können
Konservative Maßnahmen sind die wichtigsten Therapieschritte, um den Schmerzkreislauf bei Schulter- und Nackenschmerzen zu durchbrechen. Ziel ist eine aktive Mobilisierung, Fehlhaltungen auszugleichen und Versteifungen entgegenzuwirken.
Zu den konservativen Therapienmöglichkeiten gehören u.a.
Dabei nimmt der Patient aktiv an einem systematisch geplanten und kontrollierten Lernprogramm teil, das ihn befähigen soll, seine körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern bzw. zu stabilisieren, die individuelle Handlungskompetenz zu vergrößern bzw. irreversible Schäden und Beeinträchtigungen zu kompensieren. Eine weitere wesentliche Zielsetzung ist die positive Beeinflussung des affektiven und emotionalen Verhaltens. Im Rahmen der Sport- und Bewegungstherapie kommen auch körperorientierte Entspannungsverfahren zum Einsatz, die sich insbesondere bei chronischen Schmerzsyndromen bewährt haben.
Sitzen und liegen
Damit der Schmerz auch im Alltag erträglich wird, gehört zum Therapieprogramm auch eine Rückenschule. Dort werden Tips für den Alltag gegeben - vom richtigen Tragen, Stehen und Sitzen bis hin zu einer Beratung über die Gestaltung eines rückenfreundlichen Arbeitsplatzes im Büro mit Stehhilfe. Gerade das monotone Sitzen am Computer birgt ein großes Risiko für Schulter- und Nackenbeschwerden. Daher gilt auch hier der Grundsatz der Bewegung: Wenn schon sitzen, dann richtig.
s.a. Ergonomie des Arbeitsplatzes
Dynamisches Sitzen
Die meisten Rückenschmerzen sind die Folge falschen Verhaltens im Alltag. Die Hauptursache: zu wenig Bewegung - auch im Stehen und Sitzen. Langes statisches Sitzen führt zur Erschlaffung der Bauchmuskulatur und verformt den Rücken zum Rundrücken. Er ist die Ursache vieler Beschwerden.
Stundenlange Sitzen ist eine der schlechtesten Haltungen für den Körper des Menschen.

Statische Sitzen
Ein Rundrücken in der BWS kompensatorisches Hohlkreuz in der LWS (mit / ohne begleitende Skoliose (= Wirbelsäulenverkrümmung)) ist oft Ursache für verschiedene Schmerzsyndrome
Je öfter eine Tätigkeit statisch auf eine gleichbleibende Haltung fixiert ist, um so eher treten gesundheitliche Probleme auf. Deshalb sollten Sie immer eine individuelle Anpassung an den Arbeitsplatz vornehmen. Wir alle haben unterschiedliche Körperbauten und auf diese kommt es schließlich an!
Testen Sie, welcher Sessel zu Ihrem Rücken passt und welche Hilfsmittel am Arbeitsplatz nötig sind. (Wir weisen auch auf ergonomische Armlehnen, Kopfstützen und korrekte Mausbedienung am Büroarbeitsplatz explizit hin!
Für manche gibt es Zuzahlung von den Arbeitgebern oder Kassen - aber dies ist vor dem Kauf abzuklären! Außerdem gilt es, sich zu bewegen!
Was ist dynamisches Sitzen?
Vorteile:
Wer besser schläft hat mehr vom Leben
Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. In den nächtlichen Ruhepausen erholt sich nicht nur unser Körper, auch Geist und Körper schöpfen neue Kraft.
Dabei benötigt unser Körper eine gesunde Unterstützung: ein Schlafsystem (Lattenrost, Matratze und Kissen), das dem Körper individuell Stabilität, Anpassung und Elastizität und das in jeder Position. Das Motto: "So hart wie möglich liegen", ist überholt. Die Körperkonturen sollen sich individuell "einmulden" können. Optimal ist die Seitenlage mit angezogenen Beinen. Damit Nacken- und Schultermuskeln entspannen können, muss die Unterlage den Raum zwischen Kopf und Schultern ausfüllen. Das entlastet die Halswirbelsäule.

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln, die Lendenwirbelsäule aus 5 Wirbeln und die Brustwirbelsäule aus 12 Wirbelkörpern. Abgepuffert werden sie mit den dazwischen liegenden Bandscheiben. Beim Erwachsenen sind die Bandscheiben an keine ernährenden Blutgefäße angeschlossen. Die Bandscheiben werden mit Nährflüssigkeit versorgt, welche bei Entlastung wie ein Schwamm aufgesaugt und bei Belastung wieder abgeben wird. So erklärt sich auch, dass monotone langandauernde Haltungen (z.B. am Schreibtisch) zu Bandscheibenschäden führen - weil die Bandscheibenabschnitte nicht durch Positionswechsel die Möglichkeit haben, sich wieder zwischendurch zu entlasten und ihre Pufferwirkung zu erneuern.
Plötzliche starke Beschwerden in der Halswirbelsäule, evt. mit Ausstrahlung ggf. in die Schulter, Kopf, Schulterblatt, Oberarm und/oder bis in die Finger der Hand können, auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten. Interessant: fast nie kommen Pat. mit diesen Symptomen als erstmaliges Ereignis, also aus heiterem Himmel in die Praxis. Zumeist sind schon Beschwerden ähnlicheren oder geringeren Ausmaßes in der Vergangenheit vom Patienten berichtet und sogar behandelt worden. Nun aber eben deutlich ausgeprägter in Schmerzintensität, Ausstrahlung und Bewegungseinschränkung.
Eine erste klinisch orthopädische und neurologische Untersuchung muss klären, ob durch die Beschwerden auch Nerven der Nackenregion „eingeklemmt“ und komprimiert werden. Taubheitsgefühle in den Armen und Händen erhärten den Verdacht, dass eine Bandscheibe „ins rutschen“ geraten sein kann. Kräfteunterschiede in den Händen oder beim Drücken, Heben der Arme sind evt. weitere Zeichen des Bandscheibenvorfalls. Nach den klinischen Untersuchungen muss ggf. bildgebende Diagnostik, Röntgen und MRT den Verdacht bestätigen - oder ausräumen!
Mit Therapiemaßnahmen sollte jedoch nicht bis zur Diagnosesicherung mittels MRT gewartet werden, sondern diese werden sofort eingeleitet!
Bandscheibenverlagerungen bei unterschiedlichen Körperhaltungen



