
Wir beschränken uns hier auf 2 exemplarische Krankheitsbilder, die Eltern und ihre Kinder in die orthopädische Praxis führen.
Dafür sind hier einige interessante Informationen zusammengestellt.
Unsere Praxis behandelt jedoch alle Fragestellungen und Probleme im Zusammenhang mit der Muskel-, Knochen und Gelenkentwicklung sowie der Ernährung ihrer Kinder. Vereinbaren Sie gern hierzu einen Termin mit uns.
Geburt 2. Lebensjahr
Beim Neugeborenenfuß sind die Längsgewölbe noch von „Babyspeck“ überzogen und kaum zu erkennen. Die beiden Fußsohlen sind einander zugewandt. Der Vorfuß kann bis fast bis zur Tibia (=Schienbein) gestreckt werden. Die Beugung nach unten bodenwärts ist nicht weit möglich. Der Bewegungsausschlag zur Tibia nimmt in den ersten Lebensmonaten ab. Die Bein-Achse des Säuglings ähnelt einem „O“.
Um den 1. Geburtstag beginnen Kinder zu stehen. Die Füße sind allerdings noch so weich, dass sie in den Gelenken sehr schnell nachgeben. Die Kinder probieren vielerlei Arten des Stehens aus. Manche versuchen sogar auf dem Fußrücken zu stehen. Alle trainieren ihre kleinen Füße ausgiebig im Zehenstand, bis sich ihre sensorische Wahrnehmung so weit entwickelt hat, dass die Füsse spüren, wie sie am besten stehen können. Der natürlichste Gang ist der Barfußgang. Kinder sollten die Gelegenheiten dazu bekommen.
Kleinkindalter
Aus der O-Bein-Achse des Säuglings wird eine X-Bein-Achse. Hierbei wird der kindliche Fuß besondersstark beansprucht. Die Fußgewölbe flachen ab und die Fersen kippen nach außen. Der daraus resultierend Knicksenkfuß ist in diesem Abschnitt keine eigentliche Fehlhaltung, sondern eine im Normalfall vorübergehende Entwicklungsstufe.
Der Fuss braucht nun für eine normale Entwicklung Platz und Bewegung, er sollte nicht eingeengt werden durch falsches zu enges Schuhwerk.
Schulalter
Im Schulalter begradigt sich bei den meisten Kindern die X-Bein-Achse. Das innere Längsgewölbe ist nun deutlich sichtbar, die Ferse sollte gerade stehen. Dabei bilden Achillessehne und Unterschenkel zur Bodenebene eine senkrechte Linie. Bis zum Alter von 12 14 Jahren lassen sich Füsse noch formen und trainieren, dann haben sie ihre endgültige Form erreicht. Für die Eltern sollte zählen, ihren Sprößlingen unbedingt passendes (eher etwas zu großes als zu kleines) Schuhwerk zu kaufen.
Pubertät
Füße von Vierzehnjährigen sind i.d.R. voll entwickelt, die Fußgewölbe haben ihre endgültige Form erreicht. Der pubertäre Wachstumsschub bedeutet auch für die Füße vermehrte Anforderungen. Müdigkeit und Laufunlust sind Zeichen für eine verminderte Belastbarkeit. Jedoch ist ein ausgewogenes Training mit Barfußgehen, Dehnungsübungen und auch Ruhephasen der Leistungsfähigkeit der Fußmuskulatur nur förderlich. Unpassende einengende Schuhe können auch jetzt noch negative Folgen haben.
Richtige Schuhe für Kinder
Kinderfüße sind unterschiedlich breit. Viele Markenkinderschuhe sind nach dem 3-Weiten-System gekennzeichnet: weit normal schmal. Schuhgeschäfte, welche diese Schuhe anbieten, verfügen i.d.R. auch über geschultes Verkaufspersonal, das den Eltern bei der Auswahl der passenden Schuhe für ihr Kind helfen kann.
Es sollte darauf geachtet werden, dass die Füsse vorn nicht anstoßen, sondern ungefähr ein (erwachsenen-) fingerbreiter Spalt Platz bleibt. Da Kinder die Zehen oft zurückrollen, wenn Druck auf sie ausgeübt wird. Empfiehlt es sich durchaus vor dem Kauf diese zu vermessen. Kaufen Sie ruhig eine Nummer größer, als die Messlatte ergeben hat.
Kommt es zu Druckstellen an den Innenseiten und bilden sich sogar Krallenzehen heraus (dabei zeigen die Zehenmittelgelenke nach oben) haben die Kinder vermutlich schon über einen längeren Zeitraum zu enge Schuhe getragen.
Bis ca. zum 14. Lebensjahr können Füsse noch in die richtige Wachstumsrichtung gebracht werden. Fußgymnastik, Barfußgehen, Greifspiele mit den Zehen machen Kindern Spaß und kräftigen die Muskulatur. Lassen Sie Ihre Kinder barfuß auf den Zehen- und Hacken laufen.
Es empfiehlt sich aus orthopädischer Sicht, Kinderfüße im Alter von etwa 1 Jahr und dann noch mal im Vorschulalter von einem Orthopäden untersuchen zu lassen. Dies trägt dazu bei, dass die Füsse der Kinder gesund wachsen auch oft ohne Einlagen.
Kinderschuhe „richtig“ kaufen
Ein österreichisches Forschungsprojekt kam 2003 in einer Untersuchung von 858 Kindergarten-Kindern zu alarmierenden Ergebnissen bei der Sichtung von Haus- und Straßenschuhen der Kinder: 69% der Kinder tragen zu kurze Straßenschuhe und sogar 88% zu kurze Hausschuhe. Z.T. steckten die Kinderfüße in bis zu vier Größen zu kurzen/kleinen Schuhen.
Kinder welche in zu kleinen Schuhen stecken, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, später Fußfehlstellungen zu entwickeln (z.B. „Ballenzehe“, „Hammerzehen“). In der österreichischen Studie wurde auch kontrolliert, ob die angegebene Schuhgröße mit tatsächlichen Innenlänge des Schuhs übereinstimmte. Erstaunlich und erschreckend zugleich war dies lediglich bei 3% der untersuchten Schuhe der Fall. Abweichungen von bis zu 4 Größen waren keine Seltenheit.
Als Konsequenz haben die österreichischen Kollegen ein unkompliziertes, preiswertes Messgerät entwickelt, welchs für Ärzte, Eltern und Schuhhändler gedacht ist. Es ermittelt rasch und millimetergenau die Passform von Kinderschuhen. Weiterhin sollten Kinder darauf achten, dass die zu kaufenden Schuhe mit 3-Weiten-Sytem gekennzeichnet sind.
Näheres zum Thema erfahren Sie unter:
Dort ist auch das „Messgerät plus 12“ für ca. 10,- Euro und das kleine Buch „Kinderfüße Kinderschuhe“ für 8,50,- Euro erhältlich.
Das wachsende Skelett ist sehr anpassungsfähig und vermag Fehlwachstum lange zu kompensieren. Daher werden die meisten Skoliosen erst im Alter von 10-12 Jahren entdeckt. Eine Skoliose macht praktisch nie Schmerzen.
Auf folgende Signale sollte beim heranwachsenden Kind geachtet werden:
Entscheidende Frage bei der Anamnese durch den Arzt: Wann war die Menarche? Die 1. Regelblutung ist ein sehr wichtiges Hinweiszeichen für das Wirbelsäulenwachstum. Das Wachstum (und damit ggf. auch das Voranschreiten der Skoliose) hält danach noch ca. 2 Jahre an.
Röntgenaufnahmen sind bei schweren Skoliosen unverzichtbar (Ganzkörperaufnahme der WBS im Stehen!)
Anhand der Achsabweichung (in Grad nach COBB) wird sodann eine Einteilung vorgenommen, mit sich daraus ergebenden therapeutischen Konsequenzen. Ob zugewartet werden kann oder eine Krankengymnastik sinnvoll ist, ob ein Korsett unausweichlich ist und ob eine Operation (bei sehr schweren Skoliosen) Korrektur und Stabilisation bewirkt, kann nur der Facharzt entscheiden. Wir arbeiten mit Skoliosezentren in Berlin eng zusammen.
Ambulante Kontrollen im Wachstumsalter zur Beurteilung der Progredienz sollten während der Pubertät (in schweren Fällen) alle 3, sonst alle 6-12 Monate erfolgen.
...„es wächst eine Generation von Übergewichtigen heran...“ „ Deutschlands Kinder bewegen sich zu wenig und essen falsch...“ Bild-Zeitung, Fernsehsendungen, Ärztekongreße (z.B. Pädiaterkongreß 2004 in Bonn) das Thema „Übergewicht bei immer mehr Kindern“ gelangt stärker in das öffentliche Bewusstsein. Zum Glück!
Wesentliche Ursache des kindlichen Übergewichts ist dabei der Bewegungsmangel, in den Kinder bereits im Kindergarten häufig hineingezwängt werden. Die Gewöhnung an eine stuhl- und tischbezogene Lebensweise wird in der Schule fortgesetzt Erstklässler müssen häufig zuerst das „Stillsitzen“ lernen. Bewegung, schlichter Ausdruck kindlicher Lebensfreude und wichtiges Mittel, die Umwelt zu erkunden wird schnell als störend empfunden. Schüler verbringen etwa 10-12 Stunden am Tag mit Sitzen. Bereits Grundschüler sitzen im Durchschnitt 25-30 Stunden pro Woche. In der Oberschule kommen zum alltäglichen Sitzzwang in der Schule, den Fahrzeiten im Auto oder Bus zur/von der Schule und Zeiten vor dem Computer etwa 30 Stunden Fernsehen pro Woche. Nicht von ungefähr sieht eine amerikanische Studie im „Fernsehen und Fettleibigkeit bei Kindern“ einen direkten proportionalen Zusammenhang.
Viele Kinder haben es verlernt, noch rückwärts gehen zu können. Ein Schulkind schaffte durchschnittlich 20 sec. im Einbeinstand zu verharren, dann ist Schluss. Wird ein Jugendlicher heutzutage aufgefordert, so weit zu laufen, wie er kommt, schafft er etwa 600 Meter. Dann ist er außer Puste und muss aufhören. Etwa ein Drittel der unter Achtjährigen kann nicht mehr schwimmen.
Besonders problematisch ist der Bewegungsmangel bei übergewichtigen Kindern, von denen es zum Zeitpunkt der Einschulung jedes Jahr im August/September immer mehr gibt. 1984 wurde in Ernährungsberichten ein Anteil von 12% heranwachsender übergewichtiger Jugendlicher und Kinder festgestellt. Im Jahr 2004 lag diese Zahl bereits bei 20% - Tendenz steigend. Der Anteil adipöser Kinder nimmt jedes Jahr um 0,8% zu. Eine Untersuchung an Brandenburger Kindern und Jugendlichen 10 Jahre nach der Wiedervereinigung hat gezeigt, dass die Zahl dicker und fettleibiger Kinder, insbesondere die der stark übergewichtigen, eindeutig zugenommen hat. Diese Entwicklung ist bedenklich. Fatal können die Folgen schon bei Kindern sein: Schäden am Bewegungsapparat, Herz-Kreislauferkrankungen und Hormonelle Störungen (z.B. Verkümmerung der männlichen oder weiblichen Geschlechtsorgane) sind auch bei Kindern keine Ausnahmefälle mehr. Am sog. „Altersdiabetes Typ II“ leiden inzwischen in Deutschland bereits rund 4000-6000 Kinder und wird so langsam zur neuen „Kinderkrankheit“. Rund einem Drittel der Zehnjährigen schmerzt bereits der Rücken. Haltungsschäden müssen zwangsläufig entstehen, wenn jeder dritte Schulanfänger, den Bauch statt der Brust rausstreckt, bei den 15-Jährigen geht jeder zweite ins ungesunde Hohlkreuz.
Diese Zahlen sind alarmierend. Der Berufsverband der Orthopäden fordert seit langer Zeit eine zeitliche Ausweitung des Faches Sport in der Schule auf mind. 3 Stunden pro Woche! In den Bundesländern ist teilweise das Gegenteil der Fall: Streichung von Sportlehrerstellen und Sportstunden durch Schulbehörden.
Eltern fällt es oft gar nicht auf, dass ihre Sprösslinge zu dick sind, z.T. auch, weil sie selbst „ein paar Pfunde zuviel“ haben. Nach den neuesten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (Februar 2007) ist auch jede 2. erwachsene Frau übergewichtig und sogar zwei von drei Männern sind schlichtweg zu dick.
Übergewicht geht bei Kindern oft auch mit einem verminderten Selbstwertgefühl einher. In der sensiblen Entwicklungsphase von 8-12 jährigen kommt es daher nicht selten zu sozialer Isolation und Diskriminierung in der Gruppe Gleichaltriger.
Was ist zu tun?
Nach einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung betrug die Gesamtaktivitätszeit eines Erwachsenen im Jahr 1960 noch 38 Stunden pro Woche. Heute sind es 12 Stunden wöchentlich. Zum Vergleich: Menschen, die im kenianischen Hochland leben, legen pro Woche durchschnittlich 60 bis 70 Kilometer zu Fuß zurück. Lange Strecken davon im Laufschritt! Nicht von ungefähr vielleicht sind viele Olympiasieger über 10.000 m und Marathongewinner kenianischer Abstammung!
Auf Grund von weniger Bewegungserfahrungen sind die Kinder auch anfälliger für Verletzungen, z.B. Verstauchungen oder Kapselzerrungen und Bänderrisse. Eine Studie im Kindergarten hat jedoch gezeigt, dass diese Unfallgefahr im Laufe eines sechsmonatigen Motorik- und Koordinationstrainings deutlich reduziert werden konnte.
Also, diese Aussage sei erlaubt: Sport tut gut auch und gerade schon in sehr jungen Jahren. Um Überlastungsschäden und Verletzungen zu vermeiden, sollte einige im Folgenden aufgeführten Punkte beachtet werden!
Im Kleinkindalter sollte die Freude an der Bewegung im Vordergrund stehen. Spielerische Sportarten, die dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder Rechnung tragen, sind am ehesten zu empfehlen. Es genügt, dass die Kinder erfahren, dass sie schnell, langsam, rückwärts laufen, kriechen, rutschen und springen können, auch einmal (seicht) bergauf und bergab und dass sie Treppen hinab- und hinaufkommen können.
Im Grundschulalter können motorisch komplexere Bewegungsabläufe erlernt werden und ein Schnelligkeits- und Koordinationstraining beginnen.
Während der Pubertät ist das Skelett des Heranwachsenden besonders empfindlich, deshalb kommt es in diesem Alter häufig zu Überlastungsschäden (z.B. Rundrückenausbildung, sog. „Scheuermann´sche Erkrankung), mit denen betroffene Personen noch im Erwachsenenalter zu kämpfen haben. Daher sind übermäßige Dreh- und Biegebelastungen der Wirbelsäule nicht zu empfehlen. Das Training sollte eher auf Kräftigung des gesamten Bewegungsapparates ausgerichtet sein, eine einseitige Spezialisierung vermieden werden. Schwimmen wäre an dieser Stelle sehr zu empfehlen, insbesondere die Erlernung der korrekten Technik beim Brust- Kraul- und Rückenschwimmen.
Ein Kraft- und Ausdauertraining sollte frühestens ab ca. 14-16 Jahren erfolgen.
Ein Facharzt für Orthopädie und/oder Sportmedizin sollte prüfen, ob Kinder oder Jugendliche beim Wunsch eine bestimmte Sportart häufiger oder im Verein auszuführen aus medizinischer Sicht der Aufnahme eines solchen regelmäßigen Trainings körperlich gewachsen sind. Diese Sport-Atteste helfen auch, im Rahmen der Untersuchung körperliche Auffälligkeiten herauszufinden und ggf. einer speziellen Therapie zuzuführen. Kinder/ Jugendliche, welche durch bestimmte Sportarten besonders belastet sind oder einen hohen Leistungsanspruch verfolgen (oder die Eltern oder Trainer der Kinder!), sollten 1x jährlich einem sportmedizinisch oder kinderorthopädisch geschultem Mediziner vorgestellt werden.
10 Tricks, die helfen können nicht mehr zu essen, als der Körper braucht
Einige goldene Verhaltensregeln
www.gesundheit.de - Übergewicht von Kindern
Auf die Balance kommt es an
Fitness für Kinder
S.T.E.P.S - Ernährungsprojekte für Jugendliche mit Motorik- und Gewichtsproblemen
Sport- und Freizeitzentrum Siemensstadt
Rohrdamm 61-64
Berlin








