Die Brennessel (botanischer Name: urtica dioica L. und urtica urens L.)
Sie wird bereits seit der Antike therapeutisch eingesetzt. Um 60 n.Chr. beschrieb der griechische Militärarzt Dioskurides ihre heilende Wirkung u.a. bei Hundebissen und Menstruationsbeschwerden. Römische Naturforscher empfahlen die Brennessel bei Potenzstörungen, Epilepsie und Vergiftungen. Ovid der römische Dichter (20 v. Chr.), pries die aphrodisierende Wirkung in der Liebeskunst.
Im Mittelalter verwandten Hildegard von Bingen (12.Jahrhundert), dann Paracelsus, der Naturforscher und Arzt um 1520 und „Kräutervater“ Hieronymus Bock 1530 setzten erstmals auch die Wurzeln der Tausendnessel (auch Feuerkraut genannt) ein.
Heute findet sie vielfach Verwendung als Tee oder Pflanzenpresssaft zur „Blutreinigung“ im Rahmen von „Frühjahrskuren“, als Kosmetikum und in Renaissance als Gemüse.
Seit 1924 werden die Wirkungen der Brennessel und ihre Inhaltsstoffe wissenschaftlich untersucht. Einige der alten Anwendungsgebiete sind deshalb heute nur noch Medizingeschichte. Die antirheumatischen und entzündungshemmenden sowie diuretischen (harntreibenden) Eigenschaften sind dagegen klinisch nachgewiesen und gut dokumentiert (positiv monographiert). Brennesselextrakt (=Blätter/Wurzel) ist nach heutigem wissenschaftlichen Stand indiziert
Unter der Vielzahl von Wirkungen der Brennessel sei hier nur kurz die für die orthopädischen Erkrankungen relevanten dargestellt: Die Inhaltsstoffe greifen sehr spezifisch in die Regulation von Entzündungsreaktionen bei rheumatischen Erkrankungen und bei Verschleißbeschwerden an den Gelenken ein. Sie hemmen die Synthese oder den Aufbau der entzündungsauslösenden Cytokine und gelenkknorpelzerstörenden Kollagenasen. Ein wichtige Rolle spielen hierbei TNF-alpha und IL-1beta Gene, deren Syntheseunterdrückung durch die Wirkstoffe der Brennessel geschieht. Beide Gene stehen im Zentrum für die Entwicklung moderner, neu entwickelter Rheumamedikamente. Die Brennesselprodukte sind offenbar sehr gut verträglich. Nebenwirkungen treten gegenüber herkömmlichen Medikamenten kaum auf.
Teufelskralle (phyteuma spec.)
In der traditionellen südafrikanischen Medizin ist die Teufelskralle seit langem bekannt als ein Mittel mit schmerzreduzierenden und Entzündungshemmenden Eigenschaften. Bei unspezifischen und chronischen Rückenschmerzen sowie bei leichten und mittelschweren, nicht aktivierten Arthrosen ist die Teufelskralle als gutuntersuchtes und wirksames Phytoterapeutikum einsetzbar.Der Effekt zeigt sich in der Synthesehemmung schmerzauslösender Prostaglandine (sog. Iridoglykoside) die als COX-2 Inhibitoren gelten. Daneben erfolgt eine Hemmung der Lipoxygenase. Eine Freisetzung sog. entzündungsativierender Interleukine geschieht nicht. Die knorpelzerstörende Kollagenaseaktivität wird dadurch um nahezu 50% gesenkt. Produkte mit Teufelskrallenextrakt wirken etwas schwächer als sog. herkömmliche Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, sind dafür aber praktisch nebenwirkungsfrei. Sie sind als Alternative zu Kortision oder konventionellen Antirheumamitteln oder auch als Ergänzung, um deren Dosis zu reduzieren, einsetzbar.
Weidenrinde
Auch die Weidenrinde (saliva......) konnte positive Wirksamkeits-nachweise in aktuelleren Studien erbringen und wird insbesondere bei Indikation längerdauernde, chronischen Schmerzen und bei rheumatoider Arthritis zur Entzündungshemmung eingesetzt. Sie ist erheblich besser verträglich als eine vergleichbare Menge an Diclofenac - bei ähnlich guter Entzündungshemmung
Cayenne pfeffer (capsicum annuum L.), oder mexicanischer Paprika oder Schoten-Pfeffer
In der Volksheilkunde bekannt zur Anwendung bei verschiedenen Beschwerden wie:
Viele v.a. in den USA durchgeführte Studien belegen jedoch auch die Wirksamkeit der Capsicumpräparate bei
Aufgrund nur geringer Nebenwirkungen kann ein Capsicum-Phytotherapeutikum Medikament der ersten Wahl sein. Bei uns sind diese oft als Salben oder Wärmekompressen/ Wärmepflaster in Apotheken erhältlich. Capsicum sollte nicht bei Schwangeren oder in der Stillzeit angewendet werden oder auf bereits geschädigte/gereizte oder offene Hautareale eingerieben werden. Bei starken Hautrötungen nach Anwendung sollten Therapeutische Pausen eingelegt werden. Im Zweifel immer einen Arzt befragen.Um einen optimalen Therapieerfolg zu gewährleisten, empfiehlt die moderne amerikanische Monographie für capsacinhaltige Präparate (insbesondere Salben) diese 3-4x täglich (bis zu 12 Wochen!) aufzutragen. Dabei soll die Salbe möglichst komplett in das Hautareal des schmerzhaften Bezirks einmassiert werden. Diese Anwendung entspricht neuesten therapeutischen Richtlinien, ist aber in den Beipackzetteln, die einer veralteten Aufbereitungsmonographie von 1990 zugrunde liegen, noch nicht berücksichtigt!
Pestwurz (petasites hybridus L.)
Diese Pflanze ist in unseren Breiten heimisch und wächst an Weihern und schattigen Untergehölzen. Sie mag eher feuchte Böden. Zu erkennen íst sie u.a. an den recht großen, lappigen Blättern. Ursprünglich bekannt zur Beseitigung von urologischen- und Magen-/ Darmbeschwerden wurde die Wirksamkeit der Pestwurz zur Migränevorbeugung in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie aus dem Jahr 2001 belegt: 233 Patienten nahmen täglich über 3 Monate 75 mg Petasites-Extrakt ein. Bei 71% reduzierte sich die Attackenhäufigkeit um mindestens 50%. Damit zeigte sich eine bei diesem pflanzlichen Arzeimittel vergleichbare Wirksamkeit gegenüber klassisch schulmedizinischen Medikamenten, z.B. sog. Betablocker oder Valproinsäure. Es wird auch zur Migräneprophylaxe bei Kindern empfohlen. Die Wirksamkeit erklärt sich über eine selektive Blockade des Enzyms Cyclooxigenase 2 und damit Hemmung der Bildung von sog. Entzündungsmediatoren. Vereinzelt wurde über Lebernebenwirkungen berichtet. Ein Facharzt sollte vor der Einnahme immer befragt werden.
Trockenextrakte aus Baldrian (valeriana oficinalis L.) - Hopfen (humulus lupulus L.) -Passionsblume (passiflora spec.)
Rund 20 Millionen Deutsche leiden Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft zur Schlafforschung (www. Link....?) an Insomnie - so der lateinische Name für mangelhaften, ungenügend erholsamen Schlaf. Unter Einschlafstörungen leiden Frauen statistisch gesehen fast doppelt so häufig wie Männer (24% : 13%).
„Schlafräuber“ Nr.1 ist dabei der Stress; Insomnie kann zu Konzentrationsstörungen führen, die Leistungskraft läßt nach. Gefühle von Insuffizienz/Unvermögen können sich einstellen. Nicht selten folgen Depressionen. Gut zu wissen, daß es neben den konventionellen schulmedizinischen Präparaten wirksame pflanzliche Therapeutika gibt, welche gut verträglich und auch wirksam sind. Dabei eignen sich insbesondere pflanzliche Wirkstoffkombinationen den o.g. Baldrian-, Hopfen- und Passionsblumenextrakten.Bei nervösbedingten leichten bis mittelschweren Schlafstörungen sind diese einsetzbar. Die Phytotherapeutika können auch längerfristig eingenommen werden - ohne die Gefahr der Gewöhnung oder „hangover“-Effekte.
Johanniskraut (Hypericum....)
Seit langem bekannt ist die antidepressive, stimmungsaufhellende und schlaffördernde Wirkung von Johanniskraut, einer ebenfalls einheimischen Pflanze. Als Tee eher mild schlaffördernd und ausgleichend, kann sie als Medikament bei bis zu mittelgradigen depressiven Episoden erfolgreich eingesetzt werden. Wichtig: die Dosis sollte bei 900 mg pro Tag liegen (1 Tablette am Abend). Abhängigkeit oder sonstige psychopharmakologische Effekte sind als Nebenwirkungen ausgeschlossen. Hellhäutige Personen sollten ggf. mit zu starker Lichtexposition der Haut vorsichtig sein. Ggf. immer einen Arzt oder Hautarzt konsultieren. (Anmerkung: Johanniskraut ist bei Feststellung einer mittelgradig depressiven Erkrankung ein kassenfähiges Medikament! Stand Februar 2007)
Für alle o.g. Pflanzentherapeutika gilt: Sie sind (Ausnahme: Johanniskraut s.o.)bei Feststellung einer mittelgradig depressiven Erkrankung) nicht erstattungs bzw. verordnungsfähige Medikamente der gesetzlichen Krankenkassen. Die Preise der Phytotherapeutika liegen aber bei Berücksichtigung der Nebenwirkungen herkömmlicher Medikamente durchaus in einer günstigen Kosten-Nutzen-Relation und werden zumeist auch längerfristig von den Patienten sehr gut vertragen.

