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Dr. med M.Joh. Fontana - Facharztpraxis für Orthopädie - Albrechstr. 12 - 10117 Berlin Mitte
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Schulter

Schulterschmerzen: Der Ursache auf den Grund gehen

Die Schultern und die Schultergelenke sind die kompliziertesten und auch beweglichsten Gelenke unseres Körpers. Entsprechend ist es auch besonders störungsanfällig. Schulterschmerzen sollte man deshalb niemals "auf die leichte Schulter nehmen"!

Vom Facharzt sollten daher die Ursachen genau abgeklärt werden. Nach einem ausführlichen Gespräch, in welchem Art und Ort und Zeitpunkt der Schmerzen beschrieben werden, untersucht der Orthopäde Haltung, Lage und Bewegungsfähigkeit des schmerzenden Gelenks.

Schultererkrankungen sind häufig.

Nach den Wirbelsäulenerkrankungen (besonders HWS und LWS) nehmen die Schultererkrankungen und –verletzungen den 3. Platz in Miteleuropa unter 40.-50. Jährigen Patienten ein. Eine der häufigsten Affektionsorte der Schulter ist dabei die Rotatorenmanschette. Das "Einklemmungssyndrom" (=Impingement-Syndrom) und die "Kalkschulter" werden - weil häufig - nachfolgend näher erläutert

Was ist eigentlich ein „Impingement-Syndrom“?

De Palma (USA 1950) schuf den medizinischen Begriff, der sich vom englischen Wort „to impinge“ (= einklemmen, stoßen) ableitet. Er meinte ein Einklemmen von Weichteilgewebe - besonders bei der Abspreizbewegung der Schulter - wie z.B. Schleimbeutel, die Sehnen zwischen dem Oberarmkopf, Acromionknochen und –gelenk. Eine mechanische Dauerreizung durch Überlastung, Unfall oder Verschleiss führt dann in dieser „physiologischen Enge“ zu einer akuten oder chronischen Sehnenentzündung, meistens mit Beteiligung der Bursa zur Entwicklung einer Bursitis (=Schleimbeutelentzündung). Insbesondere durch Druck und Reibebeanspruchung in Abspreiz- und Anwinkelposition des Oberarmes entsteht häufig bewegungsabhängiger, später auch chronischer Schulteschmerz. Auch nachts (kein Liegen auf der betroffenen Seite) kann es z.T. zu sehr unangenehmen Beschwerden kommen. Abspreizen gegen Widerstand ist meist sehr schmerzhaft. Bezeichnend ist auch das „Managersymptom“ - mit dem Arm in die Jacke hineinschlüpfen löst Schmerzen in der Schulter an typischer Stelle aus! Schnelle Greifbewegungen mit ausgestrecktem, nach vorn gehaltenen Arm bei ca. 50-110° sind unangenehm. Ein Projektionsschmerz und Druckschmerz findet sich oft im mittleren, bis vorderen Oberarm.

Zumeist ist die Sehne des Muskulus supraspinatus betroffen (>75% der Fälle). Begleitend kann auch die Sehne des Bicepsmuskels und/oder die Infraspinatussehne beteiligt sein.

Einteilung nach Neer

  • Stadium I: Kleinere Verletzung der Sehne. Typisch bei jungen Patienten (<25 Jahre), evt. sportl. Belastung der Schulter. Beschwerden verschwinden zumeinst durch konservative, nicht operative Therapien.
  • Stadium II: Tendinitis. Pat. ca. 25-40 Jahre. Oft schulterbelastende Tätigkeiten (über Kopf, in starker Abspreizung des Oberarmes oder sportliche Beanspruchung. Auf konservative Therapien und Vermeiden der Belastung meist Besserung.
  • Stadium III: Einrisse und evt. knöcherne Veränderungen. Pat. typischerweise >40 Jahre alt.

Ein Rückgang der Schmerzen ist meist zu erreichen, in dem unterhalb des Schulterdaches Spritzen (maximal 1-3x) injiziert werden. Für den Fall, dass der Arm trotz Schmerzfreiheit bzw. reduziertem Schmerz immer noch nicht angehoben kann, muss eine Mitbeteiligung und evt. degenerativer Schaden (Riss) im Bereich der Rotatorenmanschette in Erwägung gezogen werden.

weitere Therapie und Prognose: s.u.

Was ist eigentlich eine „Kalkschulter“?

Die Kalkschulter oder Tendinitis calcarea bezeichnet reaktive Kalkablagerungen in den Sehnenansätzen der sog. „Rotatorenmanschette“. Zu 90% sind dabei Sehnen des M. supra- und infraspinatus betroffen! Oft verläuft diese Art der Entzündung ohne/mit geringen Schmerzen und ist ein Zufallsbefund im Röntgen.

Das eigentlich schmerzhafte Ereignis ist dagegen die akute „Bursitis subacromialis“ - eine akute oder chronische Schleimbeutelentzündung, die durch Ausdehnung des Kalkherdes bis an die Oberfläche der Sehnenstrukturen entsteht. Bricht gar das Kalkdepot in den Schleimbeutel hinein, haben wir es mit einer sehr akuten Situation zu tun: zumeist heftig(st)e Schmerzreaktion, mit praktisch der Unfähigkeit, den Arm zu drehen oder heben.

Akute Therapie: Bei akutem Geschehen fast immer Kälte, Quarkwickel, Eis hilfreich und lindernd. Ibuprofen 400 (rezeptfrei in der Apotheke), Konsultation eines orthopädischen Facharztes. Meist gelingt es, durch Injektion von Corticoid-Lokalanästhetikum-Gemisch den Schmerzkreis zu durchbrechen.

Bei eher chronischer Bursitis und längerandauernder Entwicklung hilft oft Wärme besser.

Therapie

Die Therapie ist für beide Krankheitssyndrome zunächst (fast) immer konservativ. Oft gute Selbstheilungstendenz, jedoch muß ein längerer Zeitraum einkalkuliert werden

Die Therapierichtung sollte zusammen mit dem Patienten und bestimmten Kriterien (Alter, Mobilität, berufliche- und Freizeitbeanspruchung des Schultergelenkes, Dauer und Progredienz der Erkrankung und bisherige Behandlung) bestimmt werden.

  • NSAR (kurzzeitige entzündungs- und schmerzhemmende Medikation) sinnvoll!
  • Elektrotherapie und TENS (siehe dort!)
  • Injektionen mit/ohne Kortison,
    (dann mit pflanzlichen Inhaltsstoffen!)
  • Akupunktur (Ohrpunkte und Körperakupunktur
  • Lasertherapie
  • Stosswelle
  • Manuelle Therapie und Krankengymnastik
  • Theraband und Krafttraining
    zum Auftrainieren der Rotatorenmuskeln

Wichtig:

Meiden der Überkopfbewegungen! Falls Sport betrieben wird, empfiehlt man zunächst eine Reduktion der Übungen im Bereich der Schulter. Sobald die Beschwerden abgeklungen sind und der Zustand sich verbessert hat, kann durch gezielte sportspezifische Technik in Kombination mit Muskelkräftigung insbesondere der Rotatorenmanschette ein dauerhafter Heilungserfolg erzielt werden.Muskeltraining: Beim Aufbau der Muskulatur (Theraband etc.) geht es vor allem um den Aufbau der sog. Rotatoren. Diese Muskelgruppe ist für das Fixieren und Halten des Oberarmes verantwortlich. Wichtig hierbei: zunächst nur Muskeln auftrainieren, welche den Abstand zwischen Oberarmkopf und Acromionunterseite wieder erweitern. Aus diesem Grund wird zu Anfang auf das Trainieren des M. Deltoideus bewusst verzichtet, welcher den Oberarmkopf weiter nach oben drückt und den subacromialen Raum erneut – besonders bei Abspreiz- und Überkopfhaltung des Armes – verengt!

Eine Operation (arthroskopisch, halboffene oder offene Technik) kommt in Betracht:

  • bei Versagen/ Nichtansprechen der konservativen Therapien
  • bei anatomischen Engpasssyndromen
  • hohem sportlichen Anspruch.
  • bei mittleren bis großen Sehnenrupturen insbesondere bei jüngeren und älteren bzw. sehr aktiv-sportlichen Patienten
  • Patienten mit berufsbedingtem hohem Einsatz der Schultermuskulatur

Prognose: gut! 90% Besserung mit konservativen Methoden;

Unbehandelt droht ein eher langer Verlauf und die Gefahr der Rotatorenmanschettenruptur mit konsekutiven (teilweise deutlichen) Bewegungsverlusten und –einschränkungen im Schultergelenk.

Das bewegliche Schultergelenk verschleißt eher selten. Die sie umgebenden Muskeln dafür umso häufiger. Ein Riss in der sog. Rotatorenmanschettenmuskulatur der Schulter kann in minimal-invasiven Verfahren per Arthroskopie operativ vernäht werden. Kalkeinlagerungen und -depots im Schulterraum können - stat arthroskopisch, operativ auch per Ultraschall zertrümmert und so entfernt werden. Sehnenentzündungen (besonders des Supraspinatusmuskels, M. infraspinatus, Bicepssehne und M. subscapularis - alles wichtige Rotatorenmuskeln und für Drehbewegungen der Schulter zuständig - werden am besten vorrangig konservativ, ohne Operation, mit Injektionen, Thermotherapien, Lasertherapie und folgender Krankengymnastik behandelt und zur Ausheilung gebracht. Wichtig: die Behandlungen erfordern Zeit und Geduld! Ein Pat. der seit 6 Monaten Schmerzen am Ansatz einer der o.g. Sehnen Schmerzen hat, benötigt u.U. den gleichen Zeitraum, um die Schulter wieder komplett schmerzfrei einsetzen zu können und als ausgeheilt bezeichnet zu werden. Daher: Je früher Sie bei unklaren Schulterschmerzen einen Orthopäden konsultieren, umso besser und rascher können therapeutische Massnahmen greifen.



Schultergelenksarthrose