Etwa 0,5 bis 1% der Deutschen leiden im Verlauf ihres Lebens so stark an Ohrgeräuschen, dass sie wegen Folgestörungen (Schlaflosigkeit, Depressionen, Gefährdung der Arbeitsfähigkeit) einer psychosomatischen, psychotherapeutischen und/oder medikamentösen Behandlung bedürfen. Rund 1 Millionen Bundesbürger leiden dabei unter chronischem Tinnitus oder Ohrgeräuschen (chronisch= Beschwerden bestehen seit mindestens 3 Monaten).
Die Ätiologie des Tinnitus ist noch immer nicht exakt geklärt. Auslösend können Stress-, Hör- oder Schalltraumata (z.B. Knall/Explosion, Discothekenbesuch) sein. Oft tritt der Tinnitus im Gefolge eines Hörsturzes auf. Viele (v.a. ältere) Patienten leiden zugleich auch an einer Schwerhörigkeit.
Auf der Suche nach der "erlösenden" Therapie wechseln Patienten oft unzählige Male den Arzt und ergreifen fast jeden "Therapie-Strohhalm".
Bei chronischem Tinnitus ist eine Heilung aller Voraussicht nach bei den meisten Patienten nicht möglich. Jedoch kann der chronische Tinnitus gelindert oder erheblich gebessert werden. In der Therapie werden heute zunehmend ganzheitliche Konzepte eingesetzt. Das Ziel dabei ist nicht Heilung sondern eine Bewältigung durch Desensibilisierung.
Seit den 90er jahren existiert die sog. retraining-methode (von einem englischen und einem amerikanischen Mediziner entwickelt).
Ein inzwischen weltweit anerkanntes Verfahren, dessen Prinzip vereinfacht gesagt darin besteht, daß durch äußere Stimulation gelernt wird, vom Ohrgeräusch wegzuhören. Die Verfestigung negativer Höreindrücke im Gehirn soll abgelöst werden. Dabei können z.B. als angenehm empfundene Melodien (wie Meeresrauschen) die akustische Hintergrundinformationen für das Hörareal im Gehirn erhöhen. Die Aktivität der Nervenbahnen im Hörsystem soll so gesteigert werden und den "Nerv- oder Quälton" modifizieren.
Bis diese Wahrnehmung sich wirklich dauerhaft verändert, vergeht allerdings oft viel Zeit, von Wochen bis z.T. mehrere Jahre. Keine dieser Methoden kann die Ohrgeräusche völlig beseitigen, doch verlieren sie nachweislich an Bedeutung, wenn diese "Konkurrenz" bekommen.
Seit langem bekannt sind Zusammenhänge zwischen Bewegungsapparat, Tinnitus und Hör- oder Gleichgewichtsstörungen. Kiefergelenksschmerzen und -störungen, Kopfschmerzen, Kreuzschmerzen, Schwindelgefühle und Nackenschmerzen sind weitere mögliche Symptome. Im Rahmen von Kiefergelenksschmerzen besteht oft ein Zusammenhang zwischen Kaumuskelverkrampfung (Spasmus) auf der betroffenen (Tinnitusseite). Daher können andere Methoden, z.T. als Ergänzung sinnvoll sein: manuelle Therapien, Chirotherapien oder craniosakrale Therapien.
Von erheblicher Bedeutung sind ferner sämtliche Verfahren der Entspannungstechniken z.B.:
Selbsthilfegruppe mit ca. 23.000 Mitgliedern
Tinnituszentrum der Charite Berlin
030 450555009
